Fitness im Golfsport – ein unterschätzter Faktor

„Golf ist doch ein Sport für ‚unfitte‘ Männer im Rentenalter.“
„Was soll das für ein Sport sein, wo man mit einem Stock auf einen Ball ‚drischt‘?“
„Das ist doch nur was für Wohlhabende!“

by „Meistarmót Keilis 2009 073“

Mit diesen und anderen Vorurteilen müssen sich viele Golfsportler bei so manchen sommerlichen Grillabenden mit ihren „Nicht-Golfenden“ Freunden auseinandersetzen.
Ich möchte im Folgenden aus meiner sportwissenschaftlichen Sicht mit diesen Vorurteilen brechen und einige Fakten über den Golf aufzeigen, bei denen ihre „Freunde“ das Golfen anfangen wollen.

Die Zeiten haben sich auch im Golf geändert. Die Weltspitze wird beherrscht von den „fitten“ Golfsportlern. Sie arbeiten nicht nur akribisch auf dem Green, sondern auch im Kraftraum oder auf der Laufstrecke. Und das ist auch gut so. Und sogar ratsam.
Meiner Meinung nach sind die Anforderungsprofile an einen guten Golfer viel anspruchsvoller geworden, als noch vor ein paar Jahren. Ein guter Abschlag und ein gutes Putspiel reicht schon lange nicht mehr aus.
Und gerade hier kann die Fitness und Athletik ein limitierender Faktor für den Erfolg sein. Ein Tiger Woods war vielleicht einer der ersten, der sich dessen bewusst war. Ricky Fowler, Jason Day und andere zogen nach und kreierten den „athletischen“ Golfer.
Schon lange weiß man, dass körperliche Fitness auch die Aufmerksamkeit und Konzentration begünstigt. Sogar Snooker-Spieler hängen nicht mehr nächtelang über dem Snooker-Tisch, sondern arbeiten detailliert an ihrer körperlichen und mentalen Verfassung.

Aber was soll mir Athletiktraining beim Golfen bringen?

Der Golfsport erfordert sehr komplexe und für den Körper fordernde Bewegungsabläufe. Wenn der ganze Bewegungsapparat nicht genügend auf diese Form der Belastung eingestellt ist, drohen Verletzungen. Sehnen, Bänder und Gelenke sind enormen Kräften ausgesetzt.
Die Folge: Knochen können sich in einem schleichenden Prozess abbauen und sogar brechen, Bänder und Sehnen können kleine Risse erleiden oder gar gänzlich reißen.

Durch funktionales Fitnesstraining wird die unterstützende Muskulatur gestärkt, was die einwirkende Kraft auf den ganzen Bewegungsapparat verringert. Auch Sehnen und Bänder werden belastbarer und Knochen dichter und stärker.

Eine extreme Belastung stellt beim Golf ein ungesunder Bodenkontakt nach dem Schwung dar. Hier werden Schläger und Handgelenke von ca. 170km/h auf 0 km/h abgebremst. Dies resultiert vor allem aus einer fehlerhaften Schwungtechnik.

Als Sportwissenschaftler erstelle ich individuelle Trainingspläne und Übungen, um den sportart-spezifischen Belastungen optimal entgegenzuwirken und maximale Leistung aus jedem Körper rauszuholen.

Damit man ein gezieltes Fitness-, und Athletiktraining aufstellen kann, muss man zuerst wissen, welche Art der Verletzung besonders häufig auftreten.
Beim Golf treten die meisten Verletzungen im Bereich der Ellenbogen auf, dicht gefolgt von der Schulter, der Lendenwirbelsäule und der Handgelenke.
Ein weiterer Faktor, die Verletzungen begünstigen, ist das Alter der Golfsportler. Denn annähernd 50% aller Golfer sind 50 Jahre und älter.

Hier jedoch einige Fakten zum widerlegen des „lahmen“ Golfsports:

  • beim Golfschwung werden 124 von insgesamt 434 Muskeln beansprucht
  • auf einer 18-Loch Runde werden bis zu 1700 Kalorien verbrannt (dies entspricht einem Netto-Gewichtsverlust von 700 bis 900 Gramm)
  • die Pulsfrequenz kann Spitzenwerte von bis zu 150 Schläge pro Minute aufweisen

Zusammenfassend lässt sich Golf als eine aerobe ausdauernde sportliche Betätigung charakterisieren, die durch den Fettstoffwechsel die Gesundheit längerfristig positiv beeinflusst. Auf diese Weise wirkt Golf blutdrucksenkend und beugt Herzinfarkt vor.

Eine aerobe Sportart (was der Golfsport ist, wie wir gerade gelernt haben) setzt eine gute Grundlagenausdauer voraus. Wenn Sie nicht 3 Schritte am Stück laufen können, ohne ins Schnaufen zu geraten, würde ich ein moderates Ausdauertraining empfehlen. Hier trifft das Motto: „Laufen ohne zu Schnaufen“ immer noch zu.“
Ein spezielles Ausdauertraining kann ihr Personal Trainer vor Ort bestimmt aufstellen.

Das Fitnesstraining:

In meinen kommenden Beiträgen möchte ich verschiedene Übungen aufzeigen, die jede für den Golfsport wichtige Muskulaturgruppe abdeckt und systematisch trainiert.
Wir werden den Körper von unten nach oben bearbeiten und beginnen hier mit Übung 1:

Übung für die Kräftigung des Wadenbeinmuskels: (peroneus longus):

Heben Sie den äußeren Fußrand bei stabilisiertem Knie maximal an und verbleiben in dieser Position für mindestens 10 Sekunden. Danach nehmen Sie wieder die Ausgangsposition ein. Nach 10 Sekunden Pause beginnen Sie wieder von vorne.
Das ganze kann bis zu 10 Mal pro Seite ausgeführt werden.

 

Entspannung
Entspannung
Anspannung
Anspannung

 

 

 

 

 

 

Im nächsten Beitrag nehmen wir den Musculus adduktor magnus (Adduktoren = Oberschenkelinnenseite) genauer unter die Lupe.

Ihr Fachmann für Bewegung und Fitness

Alexander Meier
Sportwissenschaftler (M.A.)